Bei Demenz begleiten
Auf dieser Seite finden Sie praxiserprobte Instrumente für die professionelle, personenzentrierte Demenzbegleitung. Sie erhalten konkrete Orientierungshilfe für Pflege, Betreuung und Organisation – von der konzeptionellen Verankerung über Schulung und Reflexion im Team bis hin zu rechtlichen Fragen und geeigneten Settings.
DemCare: Empfehlungen für Langzeitinstitutionen
Die DemCare-Empfehlungen unterstützen Sie dabei, die Begleitung, Betreuung, Pflege und Behandlung von Menschen mit Demenz personenzentriert zu gestalten. Nutzen Sie die Orientierungshilfe angepasst an die Möglichkeiten Ihrer Institution.
Die DemCare-Empfehlungen dienen
- als Orientierungsrahmen für Ihre institutionellen Konzepte,
- als Diskussionsgrundlage für Teams und Führungsgremien,
- zur Qualitätsentwicklung in Pflege, Betreuung und Organisation,
- zur Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden,
- zur Reflexion bestehender Strukturen und zur Weiterentwicklung Ihrer Demenzangebote.
Die Empfehlungen in Kürze:
- Verankern Sie eine personzentrierte Haltung im gesamten Team.
- Beziehen Sie Angehörige systematisch in Begleitung und Entscheidungen ein.
- Gestalten Sie die Demenzbegleitung interprofessionell.
- Begegnen Sie herausforderndem Verhalten gezielt und fachlich fundiert.
- Gestalten Sie Umgebung und Architektur demenzgerecht.
- Stärken Sie die fachliche Qualifikation und Unterstützung der Mitarbeitenden.
- Achten Sie die Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz.
- Verstehen Sie Essen und Trinken als wesentlichen Bestandteil der Lebensqualität.
Den Menschen ins Zentrum rücken
Eine personenzentrierte Haltung ermöglicht es Ihnen, die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Unterstützungsbedarf bewusst zu achten und zu priorisieren. Dieser Leitfaden unterstützt Sie dabei, personenzentrierte Pflege und Betreuung systematisch in Ihrer Institution zu verankern. Er zeigt auf, wie Haltung, Führung, Organisation und Praxis zusammenspielen müssen, damit Personenzentrierung für Bewohnende und Mitarbeitende wirksam wird.
Die zentralen Empfehlungen:
- Entwickeln Sie eine gemeinsame personenzentrierte Haltung im Team und halten Sie diese verbindlich fest.
- Verstehen Sie Personenzentrierung als Aufgabe der gesamten Institution – von der Führung bis zur Hauswirtschaft.
- Gestalten Sie Führung und Organisationskultur wertschätzend, partizipativ und befähigend.
- Stärken Sie Beziehungen zwischen Bewohnenden, Mitarbeitenden und Angehörigen bewusst.
- Richten Sie Pflege und Betreuung konsequent an Biografie, Bedürfnissen und Ressourcen der Person aus.
- Gestalten Sie den Alltag flexibel (z. B. Tagesstruktur, Pflegeplanung, Angebote).
- Schaffen Sie eine wohnliche, sichere und vertraute Umgebung.
- Achten Sie auf eine sorgfältige Balance von Fürsorge, Schutz und Selbstbestimmung.
Intervision für Pflege- und Betreuungsteams
Regelmässige Intervision hilft Teams, komplexe Situationen gemeinsam zu reflektieren, Belastungen zu reduzieren und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Unser Intervisionsleitfaden zeigt auf, wie selbstorganisierte Intervision systematisch aufgebaut und durchgeführt werden kann – exemplarisch anhand von BPSD-Situationen.
Der Leitfaden eignet sich für Bildungsbeauftragte, Leitungspersonen und Teams, als Brücke zwischen den DemCare-Empfehlungen und der Praxis.
Bei Verdacht auf Depression, Delir oder BPSD reagieren
Demenzspezifische Assessmentinstrumente helfen Ihnen, Depression, Delir sowie behaviorale und psychologische Symptome (BPSD) frühzeitig zu erkennen, korrekt einzuordnen und gezielt zu begleiten.
Dieses Handbuch unterstützt Sie dabei,
- Veränderungen im Verhalten fachlich fundiert zu beurteilen,
- zwischen Demenzsymptomen, Depression, Delir und BPSD zu unterscheiden,
- Beobachtungen aus dem Pflegealltag strukturiert zu erfassen und zu dokumentieren,
- Entscheide interprofessionell nachvollziehbar und begründet zu treffen und
- Belastungen für Bewohnende und Mitarbeitende zu reduzieren.
Wesentliche Grundsätze der Assessments sind:
- Assessments sollen regelmässig und bei relevanten Veränderungen eingesetzt werden.
- Bei Verdacht sind Fokusassessments zwingend notwendig, um Ursachen abzuklären.
- Beobachtungen von Pflege- und Betreuungspersonen sind zentral und unverzichtbar.
- Ergebnisse müssen der zuständigen ärztlichen Fachperson weitergeleitet werden.
Konkret empfohlen wird:
- bei Depression: strukturierte Fremd- oder Selbstbeurteilungen (z. B. Cornell-Skala, GDS)
- bei Delir: frühzeitige Risikoerkennung, Prävention und rasches Screening (z. B. DOS, CAM, 4AT)
- bei BPSD: Erfassung von Häufigkeit, Schweregrad und Belastung (z. B. NPI) sowie systematische Ursachenanalyse
Eine weitere, umfassende Hilfestellung für den Umgang mit Bewohnenden, welche im Zusammenhang mit ihrer Demenzerkrankung BPSD zeigen, bildet der Leitfaden «Beurteilung und Therapie verhaltensbezogener und psychologischer Symptome bei Menschen mit Demenz».
Angehörige gezielt einbeziehen
Angehörige sind eine wichtige Ressource – sowohl für die Bewohnenden als auch für Fachpersonen. Ihre Inputs sind besonders zentral, wenn Betroffene nicht oder nur eingeschränkt auskunftsfähig sind. Damit eine Zusammenarbeit mit Angehörigen gelingt, müssen die Rahmenbedingungen klar definiert sein, Gespräche auf Augenhöhe geführt und die gegenseitigen Bedürfnisse abgeholt werden.
Hier finden Sie konkrete Anregungen dazu, wie Sie dies in Ihrer Institution umsetzen können.
Betreuung und Behandlung bei Demenz
Der Krankheitsverlauf, eine mögliche Urteilsunfähigkeit und belastende Entscheidungssituationen führen häufig zu ethischen Spannungsfeldern. Die medizin-ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften bieten praxisnahe Orientierung für Fachpersonen.
Freiheitseinschränkende Massnahmen
Bewegungs- und Freiheitseinschränkungen sind rechtlich klar geregelt und nur unter strengen Voraussetzungen zulässig. Sie müssen verhältnismässig, befristet, begründet, dokumentiert und überprüfbar sein.
Entscheidungen am Lebensende
Demenz ist eine unheilbare Erkrankung. Frühzeitige Gespräche zu Behandlungszielen und eine Patientenverfügung sind zentral. Hier finden Sie Informationen und Instrumente zur gesundheitlichen Vorausplanung (GVP).
Menschen mit Demenz benötigen eine Umgebung, die Orientierung ermöglichen, Sicherheit vermitteln und ihre Fähigkeiten aufrechterhalten. Je nach Schweregrad der Erkrankung eignen sich unterschiedliche Settings und bauliche Konzepte.
Bewohnende mit leichter Demenz können in der Regel gut auf gemischten Stationen betreut werden. Sie profitieren von sozialer Integration und vertrauten Abläufen, sofern Fachpersonen gezielt unterstützen bei:
- Orientierungsproblemen
- Gedächtniseinschränkungen
- erhöhter Verunsicherung im Alltag
Als Ergänzung haben sich Tages- und Nachtstätten bewährt. Sie dienen insbesondere der Entlastung von Angehörigen und ermöglichen eine flexible, bedarfsgerechte Betreuung. Tagesstätten werden auch genutzt, um situativ herausfordernde Situationen auf den Abteilungen zu entschärfen, etwa bei Unruhe oder herausforderndem Verhalten.
Für Personen mit mittlerer bis schwerer Demenz haben sich kleine Wohngruppen besonders bewährt. Optimal sind Gruppen von sechs bis acht Personen, da sie sowohl soziale Nähe als auch individuelle Betreuung ermöglichen. Dieses Modell eignet sich auch für Menschen mit geistiger Behinderung und Demenzerkrankung.
Bewährte Merkmale solcher Wohngruppen sind:
- räumlich klar abgegrenzter Wohnbereich
- Wohnküche als soziale Mitte
- zusätzliche Aufenthaltsnischen
- direkter Zugang zu einem geschützten Aussenbereich
- gesicherte Ausgänge zur Vermeidung von Weglaufen
- klare, aber flexible Tagesstruktur
- konsequent Biografie-orientierte Begleitung
- Einbezug der Angehörigen in Alltag und Betreuung
- angemessene Personaldotation und spezifische Fachkompetenz
Zentral ist ein Begleitkonzept, das auf subjektives Wohlbefinden und individuelle Lebensqualität ausgerichtet ist.
Im fortgeschrittenen Stadium stehen nicht mehr Selbständigkeit oder Aktivierung im Vordergrund, sondern Beziehung, Sinneswahrnehmung und Geborgenheit. Die Pflege und Begleitung sind personenbezogen, zugewandt und besonders sorgfältig gestaltet.
Pflegeoasen sind eine spezialisierte Wohnform für Menschen mit schwerer Demenz, die rund um die Uhr gepflegt werden und meist nicht mehr mobil sind. Sie bestehen aus Mehrpersonenräumen mit vier bis sieben Personen und folgen einem spezifischen Pflege- und Raumkonzept.
Charakteristische Gestaltungsmerkmale sind:
- grosszügige Bewegungsflächen (z. B. für Pflegebetten)
- Möglichkeiten zur Wahrung der Intimsphäre
- individuell gestaltete Bereiche (Fotos, vertraute Gegenstände)
- direkter Zugang zu einem Aussenbereich
- Pflegebad mit Wellness-Charakter
- modulierte, blendfreie Beleuchtung
- Vermeidung akustischer Überstimulation
- gezielte sensorische Reize (Musik, Gerüche, Wärme)
Diese Wohnform wird fachlich kontrovers diskutiert: Während Befürworter:innen eine Verbesserung der Lebensqualität sehen, weisen Kritiker:innen auf Risiken für Privatsphäre und Selbstbestimmung hin. Eine sorgfältige konzeptionelle und ethische Auseinandersetzung ist deshalb zentral.
Demenzkompetenz gezielt stärken
Gut ausgebildete Mitarbeitende sind zentral für eine qualitativ hochwertige Demenzbegleitung. Hier finden Sie Weiterbildungsangebote für Pflege- und Betreuungsteams.