Magazin ARTISET

Den Nutzen von ARTISET für die Mitglieder klären

Elisabeth Seifert, Eva Strebel, Jenny Nerlich

Zu den drei Branchenkonferenzen von CURAVIVA, INSOS und YOUVITA sowie der nachfolgenden Delegiertenversammlung von ARTISET am 24. Juni in Lausanne kamen 80 Delegierte zusammen. Ein zentrales Thema bildete die Weiterentwicklung der Föderation. In der Branchenkonferenz CURAVIVA ist ein Prüfantrag gutgeheissen worden, der grundsätzliche Fragen stellt. Zudem kamen – in allen Versammlungen – wichtige strategische Projekte zur Sprache.

Das CoPräsidium von Artiset, Laurent Wehrli und Marianne Streiff  vor den Delegierten.

Das Treffen der ARTISET-Branchen in Lausanne war ein Stimmungstest für die noch junge Organisation. Wer die Wortmeldungen und Diskussionen am 24. Juni in den drei Branchenkonferenzen von CURAVIVA, INSOS und YOUVITA am Vormittag sowie an der Delegiertenversammlung am Nachmittag mitverfolgt hat, kommt zum Schluss: Die Föderation hat einen Teil des Weges zurückgelegt. Wichtige Fortschritte erzielt hat ARTISET unter anderem im Bereich der politischen Interessenvertretung. Die dank der Fusion von INSOS Schweiz und CURAVIVA Schweiz grosse Breite an Mitgliederorganisationen führt zu deutlich mehr Gewicht in den nationalen Entscheidungsgremien, was allen drei Branchen zugutekommt.

Deutlich wurde auch, dass man noch nicht am Ziel angelangt ist. Angesprochen wurden in Lausanne etwa eine Verbesserung der Synergien zwischen den einzelnen Branchen sowie eine effizientere Leistungserbringung. Ende letzten Jahres haben die Leitungsgremien der Föderation denn auch auf operativer und strategischer Ebene einen Weiterentwicklungsprozess eingeleitet. Während die Mitglieder von INSOS und YOUVITA auf diese Reformen setzen, wie die Konsultation zur Gremienreform im Frühling gezeigt hat, stellen namentlich der Branchenrat CURAVIVA sowie die Branchenkonferenz CURAVIVA grundsätzlichere Fragen zur Zukunft von ARTISET. Diese Fragen brachten sie anlässlich der Branchenkonferenz CURAVIVA und der Delegiertenversammlung mittels zweier Prüfanträge zum Ausdruck.

«Branchenrat CURAVIVA bekennt sich zu ARTISET»

Die Wortmeldungen zu diesen Anträgen waren lösungsorientiert und geprägt vom Willen, einen möglichst grossen Gewinn für die Mitglieder zu erzielen. In Zentrum der Branchenkonferenz CURAVIVA stand der Prüfantrag von CURAVIVA St. Gallen zuhanden der Branchenkonferenz. Der Antrag fordert eine ergebnisoffene Überprüfung der Einbindung von CURAVIVA in ARTISET. Die Analyse soll mögliche Organisationsmodelle umfassen, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der bestehenden Organisation, und soll die rechtlichen und finanziellen Auswirkungen aufzeigen. Der Antrag wurde mit 37 zu 2 Stimmen angenommen. Der Analysebericht wird bereits im Oktober vorliegen. Am 21. Oktober, anlässlich einer ausserordentlich einberufenen Branchenkonferenz von CURAVIVA, soll dann über das weitere Vorgehen beraten werden.

«Der Branchenrat CURAVIVA bekennt sich zu ARTISET», unterstrich Daniel Suter, Vizepräsident des Branchenrats. ARTISET sei aber kein Selbstzweck, die Mitgliederinteressen müssten sich mit ARTISET vollumfänglich vertreten lassen, so Suter. Der Branchenrat erachte den Prüfantrag deshalb als «sinnvoll und notwendig». Suter betonte weiter, dass mit ARTISET in der politischen Interessenvertretung gerade auch für CURAVIVA Fortschritte erzielt worden seien. Er rekurrierte zudem auf die Ergebnisse der Mitgliederumfrage vom Spätsommer 2025, wo die Gesamtzufriedenheit mit 4.0 auf einer Skala von 1 bis 5 als knapp im Bereich «gut» zu werten ist. Die Umfrage mache aber auch deutlich, dass die Identifikation mit den Branchenverbänden grösser ist als mit ARTISET, besonders bei CURAVIVA.

Vorstand nimmt Klärungsbedarf ernst

Als «komplementär» zum Prüfantrag von CURAVIVA St. Gallen versteht Camille-Angelo Aglione, Geschäftsführer des Kantonalverbands AVALEMS (VS), einen weiteren Prüfantrag, den die drei Westschweizer Kantonalverbände AVALEMS, ANEMPA (NE) und Fegems (GE) zuhanden der Delegiertenversammlung von ARTISET eingereicht haben. Mit diesem Antrag soll eine Überprüfung der Stimmrechte innerhalb der Delegiertenversammlung erfolgen. Dabei seien verschiedene Modelle zu prüfen, entlang der Zahl der Mitglieder, der geleisteten Mitgliederbeiträge oder einer Kombination aus beidem. Zweck einer solchen Überprüfung sei eine Stärkung der Föderation, so Aglione, und keineswegs eine Blockade. Die Delegierten stimmten dem Antrag mit sechs Gegenstimmen grossmehrheitlich zu. Wortmeldungen dazu gab es keine.

Auch zum Antrag von CURAVIVA St. Gallen kam es weder am Vormittag an der Branchenkonferenz CURAVIVA noch am Nachmittag zu einer breiteren Diskussion. An der Delegiertenversammlung meldete sich einzig ein Delegierter aus den Reihen des Branchenverbandes INSOS zu Wort und meinte: «Stellen Sie ARTISET nicht infrage. Auch wenn man gewisse Strukturen noch verbessern kann, sind wir jetzt schon erfolgreich unterwegs.»

Die Fortschritte deutlich zu machen, die ARTISET bereits bis jetzt erzielt hat, war das Anliegen des Co-Präsidiums der Föderation. Laurent Wehrli erläuterte in seiner Begrüssung der Delegierten am Nachmittag die verstärkte politische Interessenvertretung. Konkret erwähnte er die guten Kontakte zum Departement des Inneren und zu Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sowie die eindrückliche Liste von Parlamentsmitgliedern, mit denen ARTISET im Austausch steht. Auch zu diversen Bundesbehörden habe sich der Kontakt verstärkt. Hinzu komme die bessere Vernetzung mit Partnerorganisationen.

Co-Präsidentin Marianne Streiff kam neben der politischen Interessenvertretung unter anderem auf wertvolle Synergien im Bereich der Berufsbildung zu sprechen, da viele ARTISET-Institutionen Fachpersonen im Sozial- und Pflegebereich beschäftigen. Namentlich mit den bereits eingeleiteten Reformen auf operativer und strategischer Ebene sieht sie die Chance, weitere Fortschritte zu erzielen. Der ARTISET-Vorstand nehme indes den Klärungsbedarf ernst, den die Branchenkonferenz CURAVIVA mit dem entsprechenden Prüfantrag moniert. «Der Antrag gibt die Möglichkeit, offene Fragen differenziert anzugehen.» Die bereits eingeleitete Gremienreform bleibe dabei sistiert, bis die Entscheide in der Branchenkonferenz CURAVIVA nach Vorliegen des Berichts im Herbst getroffen worden sind.

EFAS: Eine Expertengruppe aufgebaut

In der Branchenkonferenz CURAVIVA ging es neben den Prüfanträgen vor allem um den aktuellen Stand der Arbeiten an den Tarifierungsgrundsätzen EFAS (Einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen). Laurent Zemp, Projektleiter Gesundheitsökonomie und stellvertretender Geschäftsführer CURAVIVA, informierte darüber, dass der Branchenverband eine Expertengruppe mit zwölf Spezialistinnen und Spezialisten aus Institutionen und Kantonalverbänden aufgebaut hat. Ihre Aufgabe ist es, die politischen Vorgaben der Steuergruppe EFAS (Pflege) in die Realität zu übersetzen. Sie füttern das Projekt gleichsam mit konkreten Zahlen, berechnen Modelle und sichern die technische Umsetzbarkeit – mit dem Ziel, kostendeckende Tarife erarbeiten zu können. Die Steuergruppe, in der die wichtigsten Partnerorganisationen, zu denen auch CURAVIVA gehört, erstmals eng zusammenarbeiten, hat sich Anfang Jahr konstituiert.

Laurent Zemp informierte auch über die aktuell laufende Vernehmlassung zu den Verordnungen, welche die Umsetzung von EFAS einspuren sollen. Wichtig sei hier, dass mit diesen Verordnungen nicht Entscheidungen der Tarifpartner vorweggenommen werden, kein zusätzlicher administrativer Aufwand entsteht und keine Daten erhoben werden, ohne dass diese wirklich in die Tarifierung einfliessen.

Branchenkonferenz INSOS: Inklusion im Blick

An der Branchenkonferenz INSOS stellte Bettina Fredrich, Projektleiterin Politik ARTISET, die Inklusionsinitiative vor und warb für deren Unterstützung. Ausschlaggebend hierfür sei der indirekte Gegenentwurf des Bundesrates, der hinter dem Akzeptablen zurückbleibe. Die Inklusionsinitiative will die Rechte von Menschen mit Behinderungen mit dem neuen Artikel 8a konkret in die Bundesverfassung schreiben. Damit würde man die schweizweite Umsetzung der UN-BRK politisch stärken. Eine Unterstützung der Initiative, so Fredrich, würde INSOS die Chance bieten, den Diskurs aktiv mitzugestalten. Voraussetzung für eine Unterstützung durch den Verband sei jedoch, dass Institutionen als Teil der Lösung wahrgenommen werden und auch eine Finanzierung der institutionellen Angebote unterstützt werde. Die Delegierten folgten dem Antrag des Branchenrates und stimmten der Unterstützung der Inklusionsinitiative einstimmig zu.

Als Abschluss der Branchenkonferenz verabschiedete sich Geschäftsführerin Rahel Stuker nach drei Jahren engagierter Arbeit für den Branchenverband. Ihre Nachfolgerin wird Dalit Jäckel-Lang, die am 1. September ihre Arbeit bei INSOS aufnehmen wird.

Branchenkonferenz YOUVITA: Der Zukunftsradar

Die Branchenkonferenz von YOUVITA widmete sich primär der Auseinandersetzung mit Trends, die die Branche bereits heute und auch in Zukunft tangieren. Ein zentraler Meilenstein ist die gemeinsam erarbeitete Zukunftstrendmap der drei Branchenverbände CURAVIVA, INSOS und YOUVITA. Dieses praxisnahe Instrument benennt rund 20 gesellschaftliche Trends, ordnet sie Megatrends zu und beleuchtet strategische sowie operative Fragestellungen. Die Delegierten prüften die Trends mit Fokus auf den Kinder- und Jugendbereich in einem Gallery Walk; ab August steht das Tool den Mitgliedern zur Verfügung.

Neben zukunftsgerichteten Impulsen zum Elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) durch das BAG stand das komplexe Entflechtungsprogramm 2027 des Bundes im Fokus. Die vorgeschlagenen Varianten bei den Subventionen für Erziehungseinrichtungen betreffen den Kinder- und Jugendbereich direkt. Um die Stossrichtung für die politische Lobbyarbeit auf Kantons- und Bundesebene frühzeitig vorzubereiten, wird YOUVITA Ende Herbst den engen Austausch mit den kantonalen Kollektivmitgliedern suchen.

Statutarische Geschäfte, weitere Beschlüsse

Schlagwörter

An der Delegiertenversammlung von ARTISET

Genehmigt wurden folgende Geschäfte:

  • der Jahresbericht 2025
  • die Jahresrechnung 2025
  • die konsolidierte Jahresrechnung 2025.

Mit 49 Ja-Stimmen zu 6 NeinStimmen bei keiner Enthaltung stimmten die Delegierten einem gemeinsamen Antrag von Fegems, ANEMPA und AVALEMS zu, mit dem eine Überprüfung der Stimmrechte in der Delegiertenversammlung erfolgen soll.

An der Branchenkonferenz CURAVIVA
Mit 37 JaStimmen zu 2 Nein-Stimmen bei keiner Enthaltung genehmigte die Branchenkonferenz den Antrag von CURAVIVA St. Gallen, mit dem eine Überprüfung der Einbindung von CURAVIVA in ARTISET erfolgen soll.

An der Branchenkonferenz INSOS

Einstimmig und ohne Enthaltungen wurde folgender Beschluss angenommen:

  • Die Branchenkonferenz unterstützt die Inklusionsinitiative
  • Die Branchenkonferenz befürwortet die Mitwirkung von INSOS bei der Kampagne zur Inklusionsinitiative
  • Die Branchenkonferenz überlässt alle weiteren Entscheide, wie die Reaktion auf den indirekten Gegenvorschlag zur Inklusionsinitiative durch das Parlament und eine daraus folgende allfällige Neubeurteilung hinsichtlich der Mitwirkung bei der Kampagne zur Inklusionsinitiative, dem Branchenrat INSOS.

Marcel Heuberger wird im Rahmen einer Ersatzwahl einstimmig und ohne Enthaltungen in den Branchenrat gewählt für die Periode 2026 – 2029.

An der Branchenkonferenz YOUVITA

Präsident Marco Camus kündigte per Ende September 2026 seinen Rücktritt aus dem Branchenverband und dem ARTISET-Vorstand an. Er übernimmt per 1. Dezember 2026 die Leitung des Amtes für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich.

 

Fachpersonen langfristig halten

Der Artikel erschien in dieser Ausgabe: Magazin ARTISET | 7-8/2026

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