Magazin ARTISET

MAGAZIN | Wer Innovation will, muss ihr eine Chance geben

Patrick Hässig

Während wir über die Zukunft der Pflege diskutieren, bleiben ihre besten Ideen in der Schublade.

Als Pflegefachmann habe ich viele Kolleginnen und Kollegen erlebt, die ihren Berufsalltag verbessern wollen. Sie finden kreative Lösungen für komplexe Situationen oder denken Betreuung und Pflege neu. Nicht, weil sie dafür Zeit hätten. Sondern weil sie Verantwortung übernehmen. Genau darin steckt die grösste Innovationskraft unseres Gesundheitswesens – und gleichzeitig ihr grösstes Dilemma.

Denn gute Ideen allein reichen nicht. Wer Innovation will, muss ihr auch eine Chance geben. Mit dem Förderprogramm «Effizienz in der medizinischen Grundversorgung (EmGv)» ist genau das gelungen. Erstmals wurde ein Instrument geschaffen, das Innovationen aus der Praxis gezielt unterstützt. Dass auf Anhieb rund 80 Projekte eingereicht wurden, überrascht mich nicht. In der Langzeitpflege, in Institutionen für Menschen mit Behinderungen, bei der Spitex oder in Arztpraxen fehlt es nicht an Ideen.

Dass schliesslich nur rund zehn Prozent der Projekte unterstützt werden konnten, ist ein Weckruf. Ein Weckruf an die Politik, endlich zu erkennen, dass Innovation nicht per Verordnung entsteht. Sie wächst dort, wo Menschen täglich Verantwortung übernehmen – wenn wir ihnen den nötigen Freiraum geben.

Gerade angesichts des Fachkräftemangels können wir es uns nicht leisten, dieses Potenzial brachliegen zu lassen. Wer Effizienz nur mit Sparmassnahmen verbindet, greift zu kurz. Echte Effizienz bedeutet bessere Prozesse, intelligente Zusammenarbeit und mehr Zeit für die Menschen. Genau solche Lösungen entstehen in der Praxis – nicht am Reissbrett.

Deshalb habe ich im Parlament einen Vorstoss eingereicht, mit dem der Bundesrat dazu aufgefordert wird, das Förderprogramm EmGv über die heutige Laufzeit hinaus weiterzuführen. Nicht, weil jedes Projekt erfolgreich sein wird. Sondern weil Stillstand im Gesundheitswesen die teuerste aller Lösungen ist.

Wenn wir von einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung sprechen, müssen wir den Menschen vertrauen, die sie jeden Tag gestalten. Alles andere wäre eine vertane Chance – für die Branche und für die Menschen, die auf sie angewiesen sind.