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Cybermobbing

Digitale Medien gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Auch in Wohngruppen, Schulen oder Vereinen wird kommuniziert, geteilt und bewertet – jederzeit und überall. Doch wo Austausch entsteht, kann auch Ausgrenzung entstehen. Hier erfahren Sie, wie Sie Cybermobbing erkennen, präventiv handeln und wirksam intervenieren.

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing heisst: Eine Person wird über längere Zeit absichtlich beleidigt, bedroht oder blossgestellt – mit Hilfe digitaler Medien.

Das kann geschehen über:

  • soziale Netzwerke (TikTok, Instagram, Snapchat)
  • Messenger (WhatsApp, Telegram)
  • Games oder Foren

Entscheidend sind:

  • Wiederholung der Angriffe
  • Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten
  • Ziel der Erniedrigung

Meist gehen Cybermobbing und analoges Mobbing Hand in Hand – wer online betroffen ist, erlebt oft auch im Alltag Ausgrenzung.

Warum betrifft Cybermobbing Kinder- und Jugendinstitutionen besonders?

In Wohngruppen leben Jugendliche mit unterschiedlichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Bewältigungsmustern zusammen. Das kann Spannungen fördern.

Typische Risikofaktoren:

  • häufige Wechsel in der Gruppenzusammensetzung
  • enger Raum und wenig Rückzugsmöglichkeiten
  • Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung
  • schwankendes Selbstwertgefühl
  • unzureichender Austausch über Sorgen oder Konflikte

Neu eintretende Jugendliche sind besonders gefährdet. Ihre Aufmerksamkeit und Präsenz als Fachperson wirken hier stark präventiv.

Rollen im Cybermobbing

Cybermobbing ist ein Gruppengeschehen – Rollen sind nicht fix. Jede Person kann im Verlauf ihre Position ändern.

Typische Rollen:

  • Mobbingakteur:innen: suchen Macht oder Anerkennung
  • Assistierende: unterstützen oder helfen aktiv mit
  • Verstärkende: lachen, liken oder kommentieren und befeuern die Dynamik
  • Zeug:innen: sehen, schweigen oder greifen aus Unsicherheit nicht ein
  • Von Mobbing Betroffene: brauchen Unterstützung und Schutz

Als Fachperson helfen Sie, diese Rollen sichtbar zu machen – und das Gruppengefüge wieder in Balance zu bringen.

Cybermobbing früh erkennen

Cybermobbing bleibt oft lange verborgen. Beobachten Sie über Zeit, nicht nur einzelne Vorfälle.

Achten Sie auf:

  • wiederholte Angriffe oder Gerüchte
  • spöttische Kommentare oder Ausschlüsse
  • Rückzug, Traurigkeit, Scham oder plötzliche Gereiztheit
  • körperliche Beschwerden ohne klare Ursache
  • auffällige Stimmung im Team oder in der Gruppe

So handeln Sie richtig:

  • Sprechen Sie Beobachtungen an.
  • Notieren Sie kurz, was Sie wahrnehmen.
  • Holen Sie eine Zweitsicht oder Unterstützung.
  • Bleiben Sie ruhig – Cybermobbing ist immer ein Prozess, kein Einzelfall.

Prävention

In Institutionen

Schaffen Sie eine Kultur des Hinschauens.

  • Machen Sie klar: Cybermobbing hat keinen Platz.
  • Fördern Sie soziale Kompetenzen, Empathie und Zusammenhalt.
  • Entwickeln Sie mit den Jugendlichen gemeinsame Regeln für den digitalen Raum.
  • Schulen Sie Mitarbeitende regelmässig und besprechen Sie Fälle im Team.
  • Halten Sie in einem Medienkonzept fest, wie Sie vorgehen, wenn Cybermobbing vermutet wird.

Mit Erziehungsberechtigten

  • Führen Sie Gespräche über digitale Mediennutzung.
  • Ermutigen Sie Eltern, offen mit ihren Kindern über Online-Erlebnisse zu sprechen.
  • Geben Sie ihnen klare Handlungsempfehlungen: zuhören, ernst nehmen, keine Schuldzuweisungen.
  • Stellen Sie Kontakt zu Fachstellen oder Beratungsangeboten her.

Durch Dritte

  • Kooperieren Sie mit Schulen, Vereinen und anderen Partner:innen.
  • Tauschen Sie sich über Beobachtungen aus.
  • Pflegen Sie ein Netzwerk, das bei Vorfällen gemeinsam handelt.

Intervention

In Institutionen

Handeln Sie abgestuft und im Team:

  1. Wahrnehmen: Beobachten, dokumentieren, prüfen.
  2. Abklären: Rücksprache mit Kolleg:innen oder Fachstellen.
  3. Handeln: Gespräch mit Beteiligten, Schutz der Betroffenen, Grenzen aufzeigen.
  4. Nachkontrolle: Verlauf beobachten, Rückfallgefahr einschätzen.

Grundsätze:

  • Verhalten trennen von der Person.
  • Alle Beteiligten einbeziehen – nie allein agieren.
  • Datenschutz wahren.
  • Hilfe holen, wenn die Situation eskaliert.

Mit Erziehungsberechtigten

Empfehlen Sie Eltern:

  • nicht online zu antworten oder zu konfrontieren
  • Beweise (Screenshots, Nachrichten) zu sichern
  • Täter:innen zu blockieren oder zu melden
  • Unterstützung zu holen – etwa über die Hotline 147 von Pro Juventute

Durch Dritte

  • Stimmen Sie Ihr Vorgehen mit Schulen, Vereinen oder Fachstellen ab.
  • Führen Sie Gespräche nur, wenn keine akute Gefährdung besteht.
  • Dokumentieren Sie den Verlauf und bleiben Sie im Kontakt.

Polizei & Rechtliches

Die Polizei unterstützt bei schwerwiegenden Fällen. Viele Kantone haben Jugend- oder Präventionspolizeien, die beraten oder Schulungen anbieten.

Wichtige Punkte:

  • Cybermobbing ist kein eigener Straftatbestand, kann aber unter Drohung, Nötigung, üble Nachrede oder Datenmissbrauch fallen.
  • Offizialdelikte (z. B. Erpressung, Nötigung) werden automatisch verfolgt.
  • Antragsdelikte (z. B. Beschimpfung) erfordern eine Anzeige.
  • Ziehen Sie die Polizei bei Gefahr, Bedrohung oder erfolglosen Eigeninterventionen frühzeitig hinzu.

Praxisbeispiele

Beispiel 1
Ausschluss aus Chatgruppe

Ein Kind wird aus der Gruppenchat entfernt. Sprechen Sie das offen an, suchen Sie gemeinsam Lösungen – ohne Schuldzuweisungen.

Beispiel 2
Weiterleitung eines heiklen Fotos

Ein Jugendlicher teilt ein Nacktbild weiter. Thematisieren Sie Grenzen, Respekt und Datenschutz. Prüfen Sie mit der Leitung oder Polizei das weitere Vorgehen.

Merke: Jede Intervention ist auch Prävention. Sie stärken damit Vertrauen, Sicherheit und Gemeinschaft.

Sofort handeln bei Verdacht

Schlagwörter

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Cybermobbing stattfindet:

  1. Sichern Sie Beweise (Screenshots, Nachrichten, Chatverläufe).
  2. Schützen Sie Betroffene sofort – entfernen Sie sie aus der belastenden Situation.
  3. Suchen Sie das Gespräch – ruhig, wertschätzend, ohne Schuldzuweisung.
  4. Informieren Sie Ihr Team oder die Leitung und beziehen Sie Fachpersonen ein.
  5. Kontaktieren Sie bei Gefahr sofort die Polizei oder eine Notfallstelle.

Notfallkontakte

Schlagwörter
  • Pro Juventute 147 – Beratung rund um die Uhr, gratis und anonym: www.147.ch
  • Polizei – Notrufnummer 117
  • Opferhilfe Schweiz – Unterstützung und rechtliche Beratung: www.opferhilfe-schweiz.ch
  • Schweizerische Kriminalprävention (SKP) – Fachinformationen und Präventionsmaterial: www.skppsc.ch