«Spielen hält jung und lebendig»
Für Menschen im Alter und Menschen mit Demenz können Spiele neue Lebensenergie wecken und die Sinne aktivieren. Mitarbeitende aus den Bereichen Betreuung und Aktivierung lernen in einer Weiterbildung, wie sie Spiele gezielt in den Alltag einbauen können.
«Spielen gehört zum Leben», sagt Spielpädagogin Gaby Hasler Herzberg. Die Erwachsenenbildnerin vermittelt in einer Weiterbildung bei ARTISET Bildung, wie Mitarbeitende von Pflegeinstitutionen gezielt Spie le in der Betreuung und Aktivierung einsetzen können. Regelmässig zu spielen, sei aus verschiedenen Gründen sinn und wirkungsvoll: «Spiele wecken Erinnerungen und Emotionen. Und Gewinnen ist ein herrliches Gefühl. Insbesondere dann, wenn man sonst nicht mehr viel zu gewinnen hat.» Wichtig seien Spiele auch für die Selbstwirksamkeit. «Zudem ist Spielen gut für die Konzentration und unser Gedächtnis. Wir lernen, die Übersicht zu behalten, müssen vielleicht sogar strategisch denken und es regt unsere Sinne an. Kurz: Spielen hält jung und lebendig», so das Fazit der Erwachsenenbildnerin.
Den Spieltrieb wecken
In der Weiterbildung lernen die Teilnehmerinnen verschiedene Spiele kennen – Kartenspiele, Biografiespiele, Fingerspiele und viele mehr. «Wir spielen selber und erproben, Spiele mit eigenen Regeln zu verändern», sagt Gaby Hasler Herzberg. Dann legt sie den Fokus auf die Aktivierung: Welche Spiele bieten sich für den Alltag einer Pflegeinstitution an?
Und wie können Aktivierungs und Betreuungsfachpersonen diese einsetzen? Die Spielpädagogin weckt bei den Kursteilnehmerinnen bewusst die Spielfreude. Bei der Einstiegsübung am Nachmittag werfen sich die zwölf anwesenden Fachfrauen einen Würfel zu. Wer ihn fängt, muss sich erinnern, was die anderen am Morgen über sich selbst erzählt haben. «Du hast gesagt, dass du schon 21 Mal in Lourdes warst», sagt eine nach kurzem Überlegen.«Und du machst digitale Kunst», weiss eine andere. Es bleibt zudem Zeit, die verschiedenen Spiele auf den Tischen auszuprobieren. Julia Jörg versucht sich an einem Zylinder aus Blech, der mit Löchern versetzt ist. Sie steckt Plastikröhrchen in die Löcher und platziert Tischtennisbälle zwischen die Röhrchen. «Ich probiere aus, was ich mit diesem Material machen kann», sagt sie. Das Spiel überzeugt die Mitarbeiterin Aktivierung und Eventplanerin im Alterszentrum Surental Schöftland: «Es fördert die Motorik und regt an.» Die Aktivierungsmitarbeiterin Catherine Buchecker vom Seniorenzentrum in Reinach BL probiert ein Kartenspiel aus: «Ich suche nach Anregungen, was ich mit Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz spielen kann; deshalb bin ich froh über diesen Tag hier.» Ähnlich sieht das Isabelle Wildeisen, Pflegemitarbeitende der Residio AG in Hochdorf: «Hier erfahre ich mehr darüber, Menschen spielerisch zu aktivieren, die wenig inneren Antrieb haben.» Für die erfahrene Kursleiterin Gaby Hasler Herzberg ist vor allem eines wichtig: «Ich wecke den Spieltrieb in den Fachfrauen. Damit nehmen sie das Wichtigste aus dieser Weiterbildung mit.»