Ruhe im Kopf, Mut im Herzen
Aus einer Projektarbeit an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik hsl entsteht ein selbst verlegtes Buch: Fünf junge Autor:innen richten den Blick behutsam auf die Gefühlswelt von Kindern, die in einem Heim aufwachsen.
Noch vor Abschluss des Studiums ein eigenes Buch in den Händen zu halten – das hätten sich weder Michelle noch Anastasia, Nives, Jill oder Simon erträumt. Doch ist es da, frisch gedruckt und bunt illustriert, 34 Seiten harte Arbeit und noch mehr Stolz, der sich nicht in Zahlen fassen lässt. «Ruhe im Kopf, Mut im Herzen» heisst das Kinderbuch, das die fünf hsl-Studierenden im Rahmen einer gemeinsamen Projektarbeit realisiert haben. Es richtet sich an Fachpersonen im Heimalltag, an Pflegefamilien sowie an Kinder in Übergangssituationen.
«Wir waren uns schnell einig, dass wir etwas für Kinder machen möchten, die im Heim leben», erzählt Michelle. Es sei ein Thema, zu dem alle Berührungspunkte hätten, beruflich oder familiär, und das allen persönlich am Herzen liege. Um die vage Idee zu konkretisieren, führten sie eine Bedarfsanalyse in einem Heim durch. Gesucht war eine Antwort auf die Frage: Mit welchen Hilfsmitteln könnten Mitarbeitende die jungen Bewohner:innen noch besser unterstützen?
Kein Gefühl ist tabu
Erstaunlich klar drangen zwei Bedürfnisse an die Oberfläche: Es brauche etwas, um den Kindern das Benennen von Gefühlen und das Sprechen über sie zu erleichtern. Und es fehlten Bilderbücher, in denen der Heimalltag im Mittelpunkt stehe, die also eine direkte Verbindung mit der Lebenswelt der dort Aufwachsenden haben. Zwei Mankos, deren sich das Projektteam kurzerhand annahm – die Vision des Buches war geboren. «Wir waren sofort Feuer und Flamme», blickt Anastasia zurück.
Im Austausch mit Fachpersonen im Heim, mit Sozialpädagog:innen, Psycholog:innen und Therapeut:innen erarbeiteten die Studierenden das konkrete Buchkonzept. Es sollte sich ganz dem Alltag von jungen Menschen widmen, die in dieser Übergangssituation leben – mitsamt seinen schönen, frustrierenden, lustigen und traurigen Momenten. Und es sollte ihnen dabei helfen, ihre Gefühle zu verstehen und auszudrücken. «Bewusst haben wir aber keiner Situation eine bestimmte Emotion übergestülpt», erklärt Michelle. Vielmehr wollten sie aufzeigen, dass stets jedes Gefühl zugelassen sei – auch die vermeintlich «schlechten». Eine Art Enttabuisierung also: «Wir sollten Kindern nicht vermitteln, dass negative Gefühle verboten sind», so Michelle. Das Aufwachsen im Heim könne anspruchsvoll sein und schon früh zur Konfrontation mit Wut, Frust oder Enttäuschung führen. All das sei okay.
Zwei Paletten mit 500 Büchern
Geschrieben haben die Studierenden selbst, illustriert wurde «Ruhe im Kopf, Mut im Herzen» von der Aargauer Illustratorin Leana Wirth. Dank Unterstützung von Spenden konnten Michelle, Anastasia, Nives, Jill und Simon 500 Exemplare ihres Buches drucken. «Surreal» sei es gewesen, als zwei schwer beladene Paletten dann tatsächlich vor der Tür standen. Aber der Aufwand hat sich gelohnt – über 400 Stück sind bereits verkauft. Mindestens gleich viel wert sind wohl die positiven Rückmeldungen, die das Projektteam von allen Seiten erhält. «Die Kinder fühlen sich in den dargestellten Situationen wirklich gesehen», sagt Anastasia. «Das berührt und motiviert uns besonders.»
Macht - Haltung - Verantwortung
Der Artikel erschien in dieser Ausgabe der Gazette (März 2026)