POLITISCHE FEDER | Familienzeit – Zeit für ein neues Generationenwerk
Die Schweiz steht vor einem grundlegenden Wandel: Die Bevölkerung wird älter, die Geburtenrate sinkt, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. Immer mehr Last liegt auf der mittleren aktiven Generation. Sie ist erwerbstätig und finanziert unsere Sozialwerke, zieht Kinder gross und übernimmt oft zusätzlich Betreuung für Angehörige. Dafür braucht sie die bestmöglichen Rahmenbedingungen, um das alles leisten zu können und gesund zu bleiben.
Genau hier setzt die Familienzeit-Initiative an. Sie fordert ein neues Generationenwerk – eine Investition in die Zukunft unseres Landes.
Heute wird Elternschaft politisch ungleich organisiert. Vierzehn Wochen für Mütter, zwei Wochen für Väter – das prägt Rollen, bevor Familien überhaupt ihren eigenen Weg finden können. Die Folge ist bekannt: Viele Paare hätten sich Erwerbsarbeit und Betreuung partnerschaftlich aufteilen wollen, scheitern aber an den Rahmenbedingungen.
Elternschaft ist aber eine gemeinsame Verantwortung, Elternkompetenz hat kein Geschlecht. Sie entsteht durch Erfahrung. Wer von Anfang an Zeit mit seinem Kind verbringt, übernimmt Verantwortung und wächst in diese Rolle hinein. Genau das ermöglicht die Familienzeit.
Die von einer breiten politischen Allianz getragene Familienzeit-Initiative fordert je 18 Wochen Elternzeit für beide Elternteile. Grösstenteils alternierend und nicht übertragbar, damit beide diese Zeit tatsächlich nutzen. Das schafft Chancengleichheit in Beruf und Familie und erleichtert insbesondere Müttern, erwerbstätig zu bleiben. Gleichzeitig stärkt es die Rolle der Väter als gleichwertige Bezugspersonen.
Familienzeit ist auch kluge Wirtschaftspolitik. Ein Land, das Kinder und Fachkräfte will, muss in Vereinbarkeit investieren. Wenn mehr Eltern erwerbstätig bleiben können, stärkt das die Wirtschaft und entlastet die Sozialwerke. Die Investition zahlt sich aus – für Unternehmen, für Familien und für die Gesellschaft insgesamt.
Und sie wirkt präventiv. Die ersten Monate nach der Geburt sind intensiv. Wenn beide Eltern in einer vulnerablen Phase Unterstützung erhalten, bleiben sie eher gesund, das Risiko, an einer postpartalen Depression oder an einem Elternburnout zu erkranken, sinkt.
Schaffen wir heute mit der Familienzeit das Generationenwerk, das unsere Gesellschaft in die Zukunft trägt!
Pflegen und betreuen – eine Frauendomäne
Der Artikel erschien in dieser Ausgabe: Magazin ARTISET | 4-5/2026