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Attraktive Arbeitsplätze: Pikettdienste aufheben und Nachtdienste stärken

Das HPZ Schüpfheim hat den nächtlichen Pikettdienst aufgehoben und durch ein festes Nachtdienst-Team ersetzt. Damit stärkt die Institution die Betreuungsqualität, entlastet Mitarbeitende und schafft verlässliche Strukturen für Klient:innen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf.

Im HPZ Schüpfheim nahm der Unterstützungsbedarf der Klient:innen so weit zu, dass ein einfacher Pikettdienst nicht mehr dazu ausreichte, deren Bedürfnisse zu decken. Folgende Herausforderungen zeigten sich:

  • Der Pikettdienst wurde immer häufiger beansprucht.
  • Die Nachtarbeit wurde fachlich anspruchsvoller.
  • Mitarbeitende wurden durch unterbrochene Nachtruhe belastet.
  • Einzelne Sonderlösungen reichten nicht mehr aus.
  • Die Organisation brauchte ein tragfähiges Modell für die Zukunft.

Die Geschäftsleitung und die Fachbereichsleitungen entschieden deshalb, die Nachtbetreuung neu zu organisieren. Ein strukturierter Nachtdienst soll den Pikettdienst ablösen.

Konkret bedeutet das:

  • Fachpersonen sind während der Nacht präsent.
  • Klient:innen erhalten kontinuierliche Betreuung.
  • Mitarbeitende im Tagesdienst werden entlastet.
  • Ruhezeiten werden besser eingehalten.
  • Medizinische, pflegerische und agogische Aufgaben werden fachgerecht übernommen.

Entstanden ist also ein Arbeitsmodell, das besser planbar ist und Mitarbeitende langfristig schützt.

Wie können Sie diese Idee in Ihrem Betrieb umsetzen?

1
Ausgangslage analysieren

Prüfen Sie, wie oft Piketteinsätze vorkommen und welche Aufgaben nachts anfallen.

2
Bedarf klar benennen

Zeigen Sie auf, welche Klient:innen nachts medizinische, pflegerische oder agogische Unterstützung brauchen.

3
Projektverantwortung festlegen

Bestimmen Sie eine verantwortliche Person aus der Bereichs- oder Fachbereichsleitung.

4
Nachtdienst-Team aufbauen

Stellen Sie Mitarbeitende gezielt für die Nachtbetreuung an.

5
Aufgaben und Übergaben klären

Definieren Sie, wer nachts wofür zuständig ist und wie Informationen zwischen Tag- und Nachtdienst fliessen.

6
Schrittweise einführen

Stellen Sie einzelne Wohngruppen etappenweise um und nutzen Sie Erfahrungen für die nächste Phase.

7
Kommunikation aktiv gestalten

Informieren Sie Mitarbeitende früh, transparent und wiederholt über Ziel, Ablauf und Nutzen.

Welche Herausforderungen könnten sich Ihnen dabei stellen?

Eine Umstellung verändert gewohnte Abläufe. Darauf sollten Sie vorbereitet sein:

  • Skepsis im Team
    Der Nutzen ist zu Beginn nicht für alle sofort sichtbar.
  • Wegfall von Pikettzulagen
    Mitarbeitende könnten finanzielle Einbussen befürchten.
  • Neue Verantwortlichkeiten
    Aufgaben, Schnittstellen und Führung müssen klar geregelt sein.
  • Anpassung der Organisation
    Ein neues Modell braucht klare Strukturen, passende Dienstpläne und verlässliche Übergaben.

Das HPZ Schüpfheim hat nach der Einführung nachjustiert: Das Nachtdienst-Team arbeitet heute übergreifend für die ganze Institution. Zudem gilt das Prinzip «ein Team pro Führungskraft». Das stärkt Kommunikation, Verantwortung und Zusammenarbeit.

Aus heutiger Sicht hat sich das Modell im HPZ Schüpfheim bewährt. Der Nachtdienst ist fest verankert und breit akzeptiert.

Interview mit Bernhard Brechbühl zum neu eingeführten Modell Aufhebung der Pikettdienste

Das HPZ Schüpfheim ist eine sozialpädagogische Institution im Kanton Luzern. Sie begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Unterstützungsbedarf in verschiedenen Wohn- und Betreuungsangeboten. Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die ganzheitliche Betreuung, die sowohl pädagogische als auch pflegerische und medizinische Aspekte umfasst.

Wie war die Ausgangslage in Ihrem Betrieb? Was lief nicht befriedigend? Wie hat sich das Problem bemerkbar gemacht? Wer wollte warum etwas verändern?

Die bisherige Organisation mit einem nächtlichen Pikettdienst entsprach zunehmend nicht mehr den gewachsenen Anforderungen unseres Klientels. Der steigende medizinische und pflegerische Unterstützungsbedarf führte dazu, dass ein ursprünglich für punktuelle Einsätze konzipiertes Modell schrittweise in eine regelmässige, fachlich anspruchsvolle Nachtarbeit überging und damit an seine strukturellen Grenzen stiess.

Insbesondere im Kinder- und Jugendbereich zeigte sich dieser Wandel deutlich: Bereits für eine Klientin musste eine spezifische Nachtlösung in Form separater Nachtsitzwachen etabliert werden. Mit dem Eintritt einer weiteren Klientin mit erhöhtem nächtlichem Unterstützungsbedarf stellte sich die Frage nach einer zusätzlichen individuellen Lösung oder der Entwicklung eines übergreifenden, nachhaltig tragfähigen Modells.

Auf Ebene der Fachbereichsleitung und der Geschäftsleitung wurde daraufhin entschieden, eine zukunftsorientierte Lösung zu implementieren. Ziel war es, nicht nur den aktuellen Bedarf abzudecken, sondern auch perspektivisch auf weitere Klientinnen und Klienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf in der Nacht vorbereitet zu sein.

Mit der Einführung eines strukturierten Nachtdienstes wurde ein eigenständiges Team aufgebaut. Dies führte zu wesentlichen Veränderungen auf struktureller, formaler und organisatorischer Ebene. Die anfängliche Veränderungsbereitschaft innerhalb der Organisation war jedoch zurückhaltend, da der konkrete Mehrwert der Umstellung zu Beginn noch nicht für alle Mitarbeitenden unmittelbar erfahrbar war. Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch zunehmend das Potenzial der neuen Struktur hinsichtlich Qualitätssicherung, Entlastung der Mitarbeitenden sowie einer bedarfsgerechten und professionellen Betreuung der Klientel auch während der Nacht.

Was genau sollte geändert, verbessert werden? Wie sind Sie vorgegangen, wer hat mitgewirkt? Wie wurde kommuniziert? Welche Lösung wurde erarbeitet?

Zentrales Ziel der Neuausrichtung war die Etablierung einer durchgehenden, fachlich qualifizierten Nachtbetreuung unter Einhaltung der arbeitsgesetzlichen Ruhezeiten. Damit verbunden war der Anspruch, die bisher vorwiegend reaktive Praxis durch eine proaktive, kontinuierliche Begleitung der Klientinnen und Klienten rund um die Uhr zu ersetzen.

Der Prozess wurde strategisch durch die Geschäftsleitung initiiert und in enger Kooperation mit den Fachbereichsleitungen konzeptionell ausgearbeitet. Die Umsetzung wurde von einem strukturierten und klar definierten Informationsfluss begleitet. Damit war gewährleistet, dass alle Beteiligten kontinuierlich über die Hintergründe, Zielsetzungen und den Umsetzungszeitplan informiert waren.

Die erarbeitete Lösung bestand in der vollständigen Aufhebung des Pikettdienstes und der Einführung eines festangestellten, spezialisierten Nachtdienst-Teams. Dieses übernimmt nun die volle Verantwortung für die nächtliche Betreuung und stellt den nahtlosen Übergang zwischen den Tagesdiensten sicher.

Wie wurde die Lösung eingeführt? Hat alles geklappt? Wie waren die Reaktionen darauf? Mussten Justierungen vorgenommen werden?

Die Wohngruppen wurden schrittweise vom Pikettdienst auf das neue Nachtdienstmodell umgestellt. Dieses Vorgehen ermöglichte es, erste Erfahrungen direkt in die nächste Phase einfliessen zu lassen.

Die Reaktionen im Team waren heterogen. Während die Entlastung von belastenden Randzeiten begrüsst wurde, gab es auch kritische Stimmen – primär aufgrund des Wegfalls der Pikettzulagen und der Umstellung etablierter Arbeitsabläufe.

Zur Optimierung der Effizienz sowie der Führungsspanne wurden zwei zentrale strukturelle Anpassungen vorgenommen: Die Organisation wurde nach dem Prinzip „ein Team pro Führungskraft“ gestrafft und das Team arbeitet übergreifend über die gesamte Institution. Diese klare Zuordnung verbesserte die Kommunikation und Verantwortlichkeit innerhalb des neuen Nachtdienst-Teams erheblich.

Wie sieht die Lösung aus der heutigen zeitlichen Distanz aus? Wurde sie beibehalten? Sind Sie zufrieden? Was hat sich seither verbessert?

Aus heutiger Sicht hat sich das Modell nachhaltig bewährt. Der Nachtdienst ist fest implementiert und stellt einen integralen Bestandteil der Betreuungsstruktur dar. Die anfängliche Zurückhaltung innerhalb der Organisation ist einer breiten Akzeptanz gewichen, da der Mehrwert der neuen Lösung für alle Beteiligten klar erkennbar ist.

Besonders hervorzuheben ist die deutliche Qualitätssteigerung in der nächtlichen Betreuung: Medizinische und pflegerische Aufgaben können fachgerecht, strukturiert und ohne Zeitdruck ausgeführt werden. Auch in agogisch anspruchsvollen Situationen gewährleistet die kontinuierliche Präsenz qualifizierten Fachpersonals ein Mass an Sicherheit und Handlungsfähigkeit, das im bisherigen Pikettmodell nicht in gleicher Weise sichergestellt werden konnte.

Für die Klientinnen und Klienten bedeutet dies eine verlässlichere und stabilere Begleitung während der Nacht. Gleichzeitig erfahren die Mitarbeitenden im Tagesdienst eine spürbare Entlastung, da sie ihren Dienst ohne die Belastung unterbrochener Nachtruhe antreten können. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf ihre Arbeitsfähigkeit, sondern auch auf ihre langfristige Gesundheit und die Qualität der Betreuung insgesamt aus.

Was würden Sie anderen Betrieben empfehlen, die Ähnliches anstreben?

Eine derart strukturell tiefgreifende Veränderung setzt ein hohes Mass an Transparenz sowie eine sorgfältige, fundierte Vorbereitung voraus. Es empfiehlt sich, die Ausgangslage differenziert zu analysieren, um eine tragfähige und nachvollziehbare Argumentationsbasis zu schaffen.

Zentral ist zudem eine klar definierte Projektstruktur: Die Gesamtverantwortung sollte bei einer Person aus der Bereichs- oder Fachbereichsleitung liegen, die über die notwendige Entscheidungskompetenz verfügt, um den Prozess zielgerichtet zu steuern und Herausforderungen zeitnah anzugehen.

Ebenso entscheidend ist eine frühzeitige und kontinuierliche Kommunikation, bei welcher alle relevanten Anspruchsgruppen aktiv miteinbezogen werden.

Eine etappenweise Einführung des neuen Modells hat sich dabei als besonders zielführend erwiesen, da sie ermöglicht, Erfahrungen aus der Praxis laufend zu integrieren und das Konzept im Betrieb schrittweise zu optimieren.

Haben Sie zuhanden Ihrer Kolleg:innen – unserer Mitgliederbetriebe – interessante oder hilfreiche Dokumente zur geschaffenen Lösung erarbeitet?

Im Zuge der Umstellung haben wir umfassende interne Konzepte und detaillierte Ablaufbeschreibungen entwickelt. Diese regeln die Organisation des Nachtdienstes, die klare Aufgabenverteilung sowie die Standards zur Sicherstellung der pflegerischen, medizinischen und agogischen Betreuung während der Nacht. Diese Dokumente dienen uns heute als wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung. Gerne stellen wir interessierten Mitgliedbetrieben auf Anfrage Einblicke in diese Unterlagen zur Verfügung oder teilen unsere Erfahrungen im direkten Austausch.

Das Interview führte Mariette Zurbriggen, Ressort Berufs- und Personalentwicklung

Für einen vertieften Einblick

Das HPZ Schüpfheim hat interne Konzepte und Ablaufbeschreibungen zur Organisation des Nachtdienstes erarbeitet. Diese regeln Aufgaben, Zuständigkeiten, Übergaben und Qualitätsstandards.

Interessieren Sie sich für einen vertieften Einblick oder einen Erfahrungsaustausch? Gerne können Sie sich direkt bei Bernhard Brechbühl melden:

Bernhard Brechbühl
Bereichsleiter Kinderhaus Weidmatt und Mitglied der Geschäftsleitung
bernhard.brechbuehl@lu.ch

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