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Magazin ARTISET

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ | Ein praxisnahes Tool für die Standortbestimmung

Colette Schneider Stingelin und Anna Jörger

Pflegeheime bei der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie und der Erarbeitung einer Digitalisierungs-Roadmap zu unterstützen: Das ist das Ziel eines Digitalisierungsprojekts von Curaviva. Es geht dabei um eine umfassende ­Betrachtung der digitalen Transformation, vom Management über die Pflege und Hotellerie bis hin zur Kommunikation.

Die Digitalisierung stellt viele Betriebe derzeit vor grosse Herausforderungen. Oft ist es schwierig, im Dickicht der zahlreichen Möglichkeiten und Anforderungen den Überblick zu behalten. Auch in Alters- und Pflegeheimen ist die Digitalisierung längst Teil der Organisationsentwicklung geworden. Sie betrifft nicht mehr nur einzelne technische Lösungen, sondern durchdringt zunehmend alle Bereiche einer Institution – von den verschiedenen Geschäftsprozessen über den Datenschutz bis hin zur Organisations- und Kommunikationskultur und den Kompetenzen der Mitarbeitenden.

Strategische Verankerung ist eine Herausforderung

Digitale Vorhaben gewinnen dadurch rasch an Komplexität und werfen zahlreiche Folgefragen auf. Geschäftsführungen und Trägerschaften stehen deshalb vor der anspruchsvollen Aufgabe, die Digitalisierung strategisch zu verankern. Im Vordergrund steht dabei nicht die Auswahl einzelner Tools, sondern eine klare, langfristige Ausrichtung, die zur Gesamtstrategie der Insti­tution passt. Eine solche strategische Verankerung erfordert sorgfältige Vorarbeiten.

An diesem Punkt setzt ein neues Digitalisierungsprojekt von Curaviva an. Ziel des Projekts ist es, Alters- und Pflegeheime bei der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie sowie bei der Priorisierung und auch Erarbeitung einer Digitalisierungs-Roadmap zu unterstützen.

Aktueller Stand der Digitalisierung

Im Rahmen des Projekts wird zunächst eine Übersicht über digitale Technologiebereiche erstellt, die aktuell und mittelfristig für Schweizer Pflegeinstitutionen relevant sind. Als Ergebnis des Projekts wird den Institutionen ein praxisnahes Tool zur Verfügung gestellt. Dieses ermöglicht eine Standortbestimmung des aktuellen Digitalisierungsstands.

Das Projekt ist im Sommer 2025 gestartet und wird bis Ende 2026 abgeschlossen. Die Untersuchung umfasst einen qualitativen Teil mit Interviews und Fokusgruppengesprächen mit Mitarbeitenden, Führungspersonen aus Pflegeinstitutionen sowie Digitalisierungsexpertinnen und Digitalisierungsexperten; ergänzend dazu wird im Frühling 2026 eine quantitative Online-Befragung bei Schweizer Pflegeheimen durchgeführt.

Erste Resultate aus der qualitativen Studie

Aus ökonomischer Perspektive zeigt sich: Der Investitionsaufwand muss in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen. Und dieser Nutzen entsteht insbesondere durch Personalentlastung, Qualitätserhalt trotz Personalmangel, Qualitätsverbesserungen sowie finanzielle Einsparungen durch effizientere Ressourcennutzung. Zudem wird Digitalität zunehmend zum Imagefaktor für die Gewinnung neuer, jüngerer Mitarbeitender. Ein Aspekt, der im Zuge des Fachkräftemangels heute und morgen von entscheidender Bedeutung für die Betriebe ist.

Weiter zeigt sich, dass die Organisations- und Kommunikationskultur auch im Kontext von Digitalisierungsvorhaben ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Eine strategische Kommunikation und partizipative Prozesse unterstützen Transformationsprozesse nachhaltig und sind entsprechend künftig bei jedem Schritt in Richtung Umsetzung im Bereich Digitalisierung mitzudenken.

Auf einer technologischen Ebene sind eine genaue Kenntnis der bestehenden ICT-Systemlandschaft, eine enge Zusammenarbeit zwischen Heimleitung und ICT, flächendeckendes WLAN sowie professionelles Schnittstellenmanagement zentrale Voraussetzungen.

Da die Ausgestaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen für die Alters- und Pflegeheime in den Kantonen variieren, werden Empfehlungen diesbezüglich schwierig. Empfohlen werden kantonale Austauschgruppen zur gemeinsamen Interessenvertretung und Synergienutzung.

Perspektiven aus den Arbeitsbereichen

Von Anfang an wurde im Projekt eine umfassende Betrachtung der digitalen Transformation angestrebt – und nicht nur ausgewählte Bereiche fokussiert. Das geht vom Management über die Pflege und Hotellerie bis hin zur Kommunikation. Hier sind einige ausgewählte Zwischenergebnisse aus der qualitativen Studie:

  • Heimleitung: Die IT-Affinität der Heimleitung hat einen starken Einfluss auf die Digitalstrategie und ­deren Umsetzung. Zentrale Erfolgsfaktoren sind eine klar definierte Gesamtstrategie und eine darauf abgestimmte Digitalstrategie.
  • Pflege: Priorität haben Lösungen, die von administrativen Tätigkeiten entlasten – insbesondere digitale Pflegedokumentation und Speech-to-Text-Anwendungen. Ziel ist es, mehr Zeit für den zwischenmenschlichen Aspekt im Rahmen der Pflege- und Betreuungsprozesse zu gewinnen. Zudem besteht Bedarf an Mitbestimmung bei der Dienstplanung.
  • Aktivierung: Es werden unterschiedliche Technologien erprobt (VR-Brillen, Tablets, soziale Robotik). Aktuell stehen die Klärung des Aufwand-Nutzen-Verhältnisses sowie die Passung für die heutige und zukünftige Bewohnerschaft im Vordergrund.
  • Hotellerie und Hauswirtschaft: Hier sind sehr unterschiedliche Lösungen mit divergierenden Reifegraden im Einsatz. Investitionsentscheide sollten mit der Gesamtstrategie und den betrieblichen Rahmenbedingungen abgestimmt werden.
  • Administration, Finanzen und HR: Die Entwicklung orientiert sich zunehmend an Best Practices aus weiter digitalisierten Branchen – insbesondere in HR-Prozessen sowie in Finanzanalysen und Forecasts.
  • Mitarbeitenden-Kommunikation: Positive Erfahrungen bestehen mit Kommunikations-Apps und E-Learning-Angeboten. Voraussetzung sind jedoch die Ausstattung aller Mitarbeitenden mit Geräten und Profilen sowie kontinuierliche Schulungen.
  • Bewohnenden-Kommunikation: Zunehmend wird die allgemeine Kommunikation über TV-Screens oder Mobiltelefone abgewickelt. ­Papier-Aushänge verlieren an Bedeutung – auch aufgrund der steigenden Smartphone-Affinität neuer Bewohnender.

Eine Strategie ist die zentrale Grundlage

Digitalisierung und Technologisierung in Alters- und Pflegeheimen ist kein IT-Projekt, sondern ein strategischer Transformationsprozess. Erfolgreich ist er dort, wo Technologie, Organisation und Menschen gemeinsam gedacht werden. Das Projekt will hierfür Orientierung und praxisnahe Unterstützung bieten.

  • Das Projekt wird im Mandat von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) interdisziplinär durchgeführt: Colette Schneider Stingelin (Projektleitung & Organisationskommunikation), Nicole Gerber, Thorsten Merkle (Hospitality & Service Management) und Nicole Zigan (Pflege).
  • Ansprechperson bei Curaviva ist Anna Jörger, wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Geschäftsführerin von Curaviva.

Digitalität wird zunehmend zum Image-Faktor für die Gewinnung neuer jüngerer Mitarbeitender. Ein Aspekt, der im Zuge des Fachkräftemangels heute und morgen von entscheidender Bedeutung für die Betriebe ist.

Künstliche Intelligenz – was nun?

Der Artikel erschien in dieser Ausgabe: Magazin ARTISET | 1-2/2026

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