Medikation | Medizinische Grundversorgung - nah, vernetzt und bezahlbar
Wer in einem Berggebiet lebt, soll sich darauf verlassen können, auch in Zukunft Zugang zu einer guten medizinischen Grundversorgung zu haben. Doch das ist nicht selbstverständlich. Hausarztpraxen finden keine Nachfolge, Pflegefachpersonen fehlen und medizinische Angebote konzentrieren sich zunehmend in den Zentren. Gleichzeitig wird unsere Bevölkerung älter.
Als Vizepräsident der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) beschäftigt mich diese Entwicklung besonders. Eine gute medizinische Grundversorgung ist nicht nur Gesundheitspolitik, sondern auch Standortpolitik. Fehlen Hausärztinnen und -ärzte, Apotheken oder Pflegeangebote, verliert eine Region an Attraktivität. Für ältere Menschen ebenso wie für junge Familien. Was dezentrale Angebote bedeuten, erlebe ich auch als Stiftungsrat der Casa s. Giusep in Cumpadials. Unser kleines Alters- und Pflegeheim ist ein Bijou: familiär, persönlich und in der Region verwurzelt. Es ermöglicht Menschen, auch im Alter in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben.
Gleichzeitig dürfen wir die Kosten nicht aus den Augen verlieren. Gute Versorgung bedeutet nicht, bestehende Strukturen um jeden Preis zu erhalten. Gute Versorgung und Kostendämpfung sind keine Gegensätze. Wir brauchen neue, integrierte Modelle: Hausarztpraxen, Regionalspitäler, Apotheken, Pflege und weitere Gesundheitsberufe müssen stärker zusammenarbeiten. Auch Telemedizin kann gerade in Berggebieten helfen, Distanzen zu überwinden. Vernetzung, sinnvolle Aufgabenteilung und Digitalisierung ermöglichen einen effizienten Ressourceneinsatz.
Eine besondere Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel. Wir müssen die Haus- und Kinderarztmedizin sowie die Pflege stärken und die vorhandenen Fachkräfte dort einsetzen, wo ihre Kompetenzen tatsächlich gebraucht werden. Zusätzliche administrative Hürden helfen dabei niemandem.